Archiv für Januar 2012

Was investiert RWE in die Region rund um den Tagebau Hambach???

Einiges! Vor allem in die Ausbeutung ihrer Ressourcen Natur, Infrastruktur und Mensch. Bei klarer „Wolkenlage“ ist aus der Vogelperskeptive die Veränderung des ehemals etwa 5.500 ha großen Hambacher Forstes wohl am besten zu erkennen. Für den Braunkohletagebau Hambach wurde und wird diese ca. 7.703 Fußballfeldern entsprechende Wald-Fläche mit mächtigen Buchen und Eichen vernichtet.
Bis 2007 waren davon 3.600ha vertilgt, Millionen Bäume entwurzelt und verkauft, maßlose Milliarden Tonnen Kohle aus dem Boden gerissen, verbrannt und somit bestehende Lebensgrundlagen für Lebewesen aller Art vernichtet. Bis 2010 rissen die von RWE instrumentalisierten und abhängig gemachten Subsysteme weitere 575 ha nieder. Bis 2012 nochmal ca. 300 ha. Somit steht zwischen dem Kerperner Ortsteil Buir und „Der Grube“ noch ein Rest-Waldsaum von ca. 1.100 ha. Entsprechend der Rahmenbetriebplanung wird RWE 550 ha dieses Waldes bis 2020 „in Anspruch nehmen“. Bis 2030 ca. 200 weitere Hektar. Das letzte CO2-verarbeitende Gebiet in der unmittelbaren Umgebung südlich der Grube wird vorraussichtlich der Merzenicher Erbwald sein, dessen Grundfeste von 350 ha laut RWE im Zuge des 4. Rahmenbetriebsplans nach 2030 in Angriff genommen werden wird. Damit wäre die Vernichtung von 5.500 ha Wald (das entspricht etwas der Hälfte des Nationalparks Eifel) komplett.
Übrig bliebe eine riesige, für viele Jahrzehnte verwüstete „Mondlandschaft“.

Werden wir nun vom Adler zur Schwalbe bemerkten wir im Jahre 2009, dass sich die Nahrungsuche in mancherlei Bereichen schwieriger gebar, als erwartet. Alles war Braun und wie vom Leben verlassen. Die Menschen und die köstlichen Insekten, die sie bewirteten, waren fort. Etzweiler war Geschichte. RWE hatte ihnen einen Besuch abgestattet: „Fuck off! This is our place, now. You go somewhere else.“
Just in diesem Augenblick läuft das analoge Programm, von RWE-Strategen “sozialverträgliche Umsiedlung” genannt gegen Manheim und Morschenich ab, wo die Bagger 2022 bzw. 2024 stehen sollen.

Manch ein Mensch in der RWE-Zentrale wird sich dabei möglicherweise denken, “Wir schaffen doch neue Plätze. Hübsche Städtchen und Orte an denen unsere Mitarbeiter und deren Familien und Freunde ein neues, womöglich sogar besseres Leben finden werden.“
Wenn Mensch von den emotionalen Bindungen einer persönlichen Existenz absieht, bestände sogar die Option diesen Gedanken widerspruchsfrei zu denken, wäre dort nicht noch etwas anderes an der Verdunkelung der rational betrachtbaren Fakten beteiligt. Das Konzept des sageumwobenen Backup-Kraftwerks. BOAplus.
Viele Aspekte des Wirkmechanismus, den RWE in einer maßlosen Art und Weise nutzt, lassen sich leicht ausblenden.

Im Großen hilft die Räumliche Distanz und die dafür nötige Abstraktion globale Idiotien und Gewalttaten wie den transatlantischen Import kanadischen Holzes für rheinische Kohlekraftwerke oder das Abschlachten kolumbianischer Dorfbewohner durch Paramilitärs im Auftrag großer Kohlekonzerne zu übersehen.
Was sie wollten? Sie wollten ihr Heim nicht verlassen.

Im Nahen hilft manchmal die Gewohnheit. Der Kohleabbau hat nunmal Tradition in der Region. Eine Beurteilung, ob er schneller oder langsamer voranschreitet, ist, wenn überhaupt, dann nur durch akribisches Studium der veröffentlichten Dokumente der Vergangenheit, möglich.

Im Direkten ist die Methodik der Verschleierung RWE ein scheinbar nützliches Werkzeug.
In der Lärmbelastung werden jene Messstationen als nutzlos deklariert, die die höchsten Messwerte liefern. Sie lohnen sich nicht. Jedenfalls nicht für RWE. In der Berechnung der Staubbelastung werden essentielle Bestandteile einer physikalisch, naturwissenschaftlichen Arbeit nicht nachlässig durchgeführt, sondern direkt ganz weggelassen. Ohne die Abbildung von Fehlertoleranzen ist eine solche Arbeit ohne Aussage. Es werden völlig sinnfreie Werte gegeneinander abgebildet. Das Gewicht gegen die Zeit anstatt der Anzahl der Partikel gegen das Gewicht.
Zur Erinnerung: Es geht um Staubbelastung. Der menschliche Organismus ist aufgrund seiner Physiologie anfälliger gegen kleine Partikel in der Atemluft als gegen große (Stichwort Feinstaub). Trotz der vergangenen öffentlichen Debatte wird von RWE eine Angabe dieser Werte offensichtlich nicht gefordert.
Damit wären wir an einem weiteren Punkt. Seit den 1950er Jahren besteht die Aussage: In einem Tagebau wird keine nennenswerte Radioaktivität freigesetzt. Einer Prüfung dieser Aussage wurde nicht nachgekommen, folglich werden derartige Untersuchungen nicht von RWE gefordert.

Tatsächlich existieren fachkundige Vermutungen, dass durch die Abbaumethode („Aufreißen der Segmente im Tagebau“ gegen „Abtransport großer Segmente im Untertagebau“) wesentlich mehr im Boden gebundene Radon- und Poloniumpartikel freigesetzt werden als im Untertagebau. Für den Untertagebau bestehen schon seit Jahrzehnten Bestimmungen diesbezüglich.
Wir hoffen, dass wir die möglichen Konsequenzen einer Bindung dieser Partikel an die mutmaßlichen 500 Tonnen Feinstaub pro Tag für ein menschliches Individuum nicht weiter beleuchten müssen.

Jetzt zu jenem Punkt, der den Menschen zwangsläufig auffällt:
Warum BOAplus auch technisch eine Mogelpackung ist? Dazu gibt es andere Texte.
Es ist schwer nicht zu bemerken, wenn die Sonne verschwindet. Gefährlich! Menschen könnten anfangen nachzufragen und sehen, dass das Ganze doch irgendwie anders läuft als behauptet. Was macht RWE? Es wirft BOA+ in den Raum – Der neue Schuss in das Herz der Region.

ES REICHT!
WIR STELLEN UNS QUER!