Statement von Herrn Zimmermann zur Pressekonferenz

Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,

Für Ihr Erscheinen und Interesse an meiner Räumungsgeschichte danke ich Ihnen aufrichtig. Ich möchte Sie hiermit um Verständnis dafür bitten, dass ich heute nicht persönlich erscheine. Im Folgenden erläutere ich meine Gründe:

Hinter uns liegen 4 aufregende Tage, und damit eine der längsten Besetzungsräumungen, die die deutsche Umweltbewegung erlebt hat. Uns ist damit gelungen ein deutliches Zeichen gegen RWEs Energiepolitik zu setzen und das feiern wir als großen Erfolg. Unsere Analysen der Berichterstattung zeigten, dass ein großer Fokus auf meiner Person und Blockadetechnik lag. Es liegt mir sehr am Herzen sichtbar zu machen, dass eine ganze Bewegung
hinter dieser erfolgreichen Besetzung und weiteren Aktionen steht. Unsere erfolgreiche Blockade konnte nur gelingen, durch die Entschlossenheit, Wut und
Unterstützung vieler Einzelpersonen, etwas gegen RWEs Machenschaften und die Zerstörung von Natur und Lebensraum zu unternehmen. In den letzten 7 Monaten sind Menschen aus der Region, der Republik aber auch global zusammen gekommen um sich Auszutauschen, zu Vernetzen und um gemeinsam eine Bewegung gegen die Gewalt, wie sie RWE betreibt, aufzubauen. Dabei entstand eine gute Zusammenarbeit und viele neue Freundschaften. RWE hat versucht diesen Protest gegen die Kohleförderung genauso wie die Proteste der letzten Jahrzehnte zu ignorieren, wie sie es mit ihrer Übermacht bisher geschafft haben. Doch wir sind geblieben und die Nadelstiche wurden immer mehr! Um das Abholzen des Waldes zu verhindern und die hungrigen Braunkohlebagger zu stoppen, haben sich in den letzten Tagen 9 Aktive festgekettet und 3 in luftiger Höhe die Polizeiräumung erschwert. Auch das war nur möglich, dank der zahlreichen Unterstützung aus der Region.
Der Erfolg unserer Blockade ist nicht mein eigener Verdienst, sondern der gelungenen Zusammenarbeit von vielen sehr entschlossenen Menschen zu verdanken.

Unsere Aktion ist von der Polizei und der Öffentlichkeit als Spinnerei dargestellt worden. „Normale“ Menschen würden nicht tun, was wir in den letzten Tagen an Widerstand geleistet haben. Doch die Menschen müssen endlich wiedererlernen sich zu wehren – sich selbst zu organsisieren. Es darf nicht sein, dass wir weiterhin in einem System leben, in dem Menschen für Profit und Gier sterben. Die extrem erhöhte Krebsrate so wie die verstärkte Selbstmordrate durch psychische Belastungen durch die Umsiedlungen sind bekannt, werden aber ignoriert und totgeschwiegen, aus der Angst vor der Macht von RWE.
Somit leisten wir Widerstand, weil Menschen durch die Konsequenzen von RWEs Konzernpolitik sterben – an Krebs hier vor Ort sowie an den Auswirkungen des Klimawandels weltweit.

In der Presse ist der Polizeieinsatz als Rettung dargestellt worden. Ich möchte klarstellen: Ich konnte mich zu jedem Zeitpunkt aus dem Tunnel befreien. Die Polizei hat sich als lebensrettende Instanz dargestellt. Tatsächlich lag Ihnen alleine daran, das Gelände für RWEs Rodungsmaßnahmen freizuräumen.

Schließlich kritisieren wir scharf das Vorgehen der Polizei, die meinen Aufenthalt im Tunnel durch gravierende Fehler gefährdet hat. Unsere Aktion war sorgfältig geplant, der Tunnel sicher gebaut, um weder uns, noch andere zu gefährden.
Gefährlich an der Räumungsaktion war alleine das Vorgehen der Polizei, die Arbeiten begonnen hatten ohne zu wissen was sie eigentlich tun, geschweige denn zu wissen wo ich mich eigentlich befand. Das wohl gefährlichste Vergehen der Polizei war es, über meinem Aufenthaltsort zu baggern, einen Räumungstunnel direkt über meinen Kopf an zu legen und sämtliche Warnhinweise zu ignorieren.

Ich möchte hiermit erneut bekanntgeben, dass die Polizei mehrmals darauf hingewiesen wurde, ein Spezialteam zu Tunnelräumungen aus Großbritannien herbeizurufen oder die Räumung abzubrechen.

Damit entkräftet sich der Vorwurf, ich hätte die Einsatzkräfte gefährdet. Denn ich war es nicht, der geräumt werden wollte. Ich habe wiederholt versucht mit der Polizei zu verhandeln um eine Räumung eventuell zu verkürzen, auf die nicht eingegangen wurde. Vermutlich weil auch der Polizei ihr Stolz wichtiger ist als das Leben. Mein Wegrennen im Tunnel sollte dies noch verdeutlichen. Auch dieses Vorgehen von mir war eine bewusste Entscheidung. Denn ich war in diesem Tunnel nicht um als Opfer dargestellt zu werden, sondern um einen Wald gegen RWEs Kohlebagger zu verteidigen und somit Lebensraum für verschiedenste Arten von Lebewesen zu schützen. Am Ende gelang es der Polizei nur mich raus zu holen durch eine gewaltsam Räumung
von nicht polizeilichen Räumungskräften. Obwohl das Gewaltmonopol in Deutschland ausschließlich der Exekutive vorbehalten ist.

Nach ereignisreichen und aufregenden 4 Tagen habe ich mich jetzt zurückgezogen, um mich zu erholen, wofür Sie sicher Verständnis haben. Mir geht es gut und ich danke allen, die uns in unserer Aktion unterstützt, oder sich direkt beteiligt haben. Danke für Ihre Hilfe, unser Anliegen zu veröffentlichen. Für Interviews werde ich die nächsten Tage zur Verfügung stehen.

Unser Widerstand endet nicht mit dieser Räumung, viel mehr war die Räumung ein Anfang für weitere Aktionen. Wir werden weitermachen! Unsere Aktion soll den Menschen Hoffnung, Kraft und Mut geben sich gegen Unterdrückung und Zerstörung zu wehren.

ES KANN SO LEICHT SEIN, EINEN RIESEN ZU BESIEGEN.

WENN MAN VIELE IST.