Solidarität verhindert Baumfällungen in Köln

Hambi Bild Gefunden auf linksunten.indymedia.de. Seit mehr als fünf Jahren kämpfen Bürger_innen der Bonner Straße und Umgebung gegen den geplanten Ausbau der dritten Baustufe der Nord-Süd-Bahn.

Die vorgelegten Pläne des Stadtplanungsamt bevorzugen Autos vor Radfahrer_innen und Fußgänger_innen und schränken die Lebensqualität der Anwohner_innen durch Feinstaubbelastung und Krach stark ein. Und das obwohl in Köln schon eine überdurchschnittlich hohe Feinstaubbelastung herrscht. Außerdem ist der Bau extrem teuer und die Kosten wurden den Bürger_innen lange Zeit verschwiegen. Über 300 Bäume sollen dem veralteten Plan zum Opfer fallen.

Die Bürger_innen kämpften bis jetzt mit verschiedensten legalen Mitteln gegen den Planungsirrsinn. Nur durch verschieden Gerichtsprozesse konnte die Fällung der Bäume bis jetzt aufgehalten werden. Das Oberverwaltungsgericht in Münster lehnte den einstweiligen Schutz der Bäume jedoch unmittelbar vor Weihnachten ab. Auch auf anderen Ebenen schenkte niemand den Bürger_innen Gehör: So wurde zum Beispiel mehre Stadtplaner_innen eingeladen, die alternative Pläne für den Neubau vorlegten. Diese hätten von einer Fällung der Bäume abgesehen, es ist also genug Platz für alle da: Fahrräder, Fußgänger_innen, Bäume, sowie Autos und Bahn. Die Stadt und die KVB interessiert das nicht. Sie schenkten den alternativen Plänen und den Sorgen und Interessen der Bürge_innen keine Aufmerksamkeit und hielten an ihrem veralteten Plan fest.

Wieder zeigt sich, wie wenig Mitspracherecht Bürger_innen auch bei Entscheidungen haben, die ihren Lebensraum direkt betreffen. Die Stadtökologie hat im Neoliberalismus natürlich keinen Platz. Autoritäten zerstören unseren Lebensraum sowie unsere Zukunft, und es wird uns unmöglich gemacht, sie auf legalen Wege aufzuhalten.

Die etablierten Parteien (CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke) stellten sich ein Armutszeugnis aus, in dem sie für die Abholzung der Bäume stimmten und den Bürger_innenwillen ignorierten. So ließen sie Platz für rechte Parteien, die wie Rattenfänger Bürger_innen auf ihre Seite zu ziehen versuchten, in dem sie Interesse für Umweltschutz und Mitspracherecht suggerierten.

Die Stadt wollte die Bäume bis Ende Februar fällen, obwohl die Bebauung erst viel später beginnen soll. Die Bürger_innen kämpften weiter und gründeten ein Schulungszentrum des passiven Widerstands. Bürger_innen aller Generation drohten damit, die Fällung durch zivilen Ungehorsam zu verhindern, Bäume zu umarmen oder sie zu besetzen, sich festzuketten oder Sitzblockaden zu errichten.

Sie fragten uns nach Hilfe. Wir teilten unsere Erfahrungen in besonderen Aktionsformen mit ihnen. Durch Generations- und Kulturübergreifende Zusammenarbeit wuchs unser Aktionspotenzial. Und gemeinsam haben wir es geschafft die Fällung erst einmal zu verhindern!

Lasst uns zusammen um unseren Lebensraum kämpfen! Arbeitet zusammen und holt euch eure Stadt zurück! Die wachsende Neoliberalisierung der Städte können wir nur gemeinsam verhindern, in dem wir kreativ und entschlossen dafür einstehen, wie wir leben wollen. Und zum Leben brauchen wir Bäume.


2 Antworten auf „Solidarität verhindert Baumfällungen in Köln“


  1. 1 lorbach heinz gerhard 19. Februar 2017 um 17:07 Uhr

    die bäume müssen weg! weil…..sie stören, stehen im weg, ein ach so wichtiges ausbauvorhaben unbedingt „durchgezogen“ werden muß. dabei stellt sich immer wieder die frage…wem nutzt es,wer profitiert. dabei wird nicht selten mit unlauteren argumentiert. dabei wird leider der große nutzen der bäume außer acht gelassen.

  2. 2 Peter Illert 20. Februar 2017 um 11:00 Uhr

    Na ja, hier südlich von Frankfurt wollen sie eine Fahrradautobahn durch den Wald hauen, wo sich vier Fahrrader parallel überholen oder begegnen können. Das Ganze mit Winterdienst, Rettungszufahrten und Beleuchtung. Das ist ein typischer Zielkonflikt zwischen der Bewältigung der ständig wachsenden Siedlungsverdichtung und dem verzweifelten Versuch, dort naturnahe Räume zu erhalten. Bei der Nord-Süd-Stadtbahn in Köln sehe ich das Problem ähnlich. Es wird sich auch an der Verdrängung und Gentrifizierung nichts ändern, so lange immer mehr Menschen wegen Jobs und Kulturangeboten in die Städte ziehen und dort hohe Mieten in „Wohnparks“ zu zahlen bereit sind. während der sogenannte ländliche Raum ausblutet und seine Eigenständigkeit verliert.

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